Aktuelles

Evangelium teilen mit dominikanischen Laien - Fastenzeit 2022

Haben Sie Lust inne zu halten, um das Wort Gottes zu lesen, darüber nachzudenken und zu meditieren?

 

Die dominikanischen Laien der Dominikanischen Gemeinschaft Zürich laden Sie ein zu einem Treffen mit einer Videokonferenz, um sich über das Tages- oder Sonntagsevangelium auszutauschen, und zwar an den folgenden vier Daten:

 

- Donnerstag, 10. März, 20h (in französischer Sprache)

- Donnerstag, 17. März, 20 Uhr (in deutscher Sprache)

- Donnerstag, 24. März, 20h (in französischer Sprache)

- Donnerstag, 31. März, 20 Uhr (in deutscher Sprache)

Anmeldung

In Freundschaft und im Gebet verbunden während der Fastenzeit 2022.

Die Ersten

Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten. Diese Worte Jesu haben über Jahrhunderte die Botschaft der Kirche geprägt. Doch lohnt es sich diese Worte auch einmal gegen den Strich zu bürsten. Vielleicht sollte man sie einmal nicht in einem sozialen Sinne auslegen, sondern in einem kirchlichem.

Kirche - gerade die römisch-katholische - scheint auf einem absteigenden Ast zu sein. Überall wird geklagt, dass es früher mehr Menschen hatte, die der Botschaft Jesu folgten und die Kirchen füllten. Gerne wird zurück geblickt auf die "gute alte Zeit". Doch genau dort liegt eine Wurzel begraben, warum die Kirche auf dem absteigenden Ast ist.

Die "gute alte Zeit" wurde einst von Frauen und Männern begründet, die Neues wagten. Sie antworteten mit ihrer Art der Verkündigung auf die Sehnsüchte der Menschen. Auf neue Weise brachten sie die Botschaft Jesu zu den Menschen ihrer Zeit. Nur so gab es immer wieder neue Aufbrüche der Glaubensgemeinschaft. Immer wieder wurden alte, verbrauchte Wege durch neue, frische ersetzt. Auf Phasen des Niedergangs folgten Phasen des Aufbruchs.

Auch heute steht die Kirche am Ende einer solchen Phase. Die Aufbrüche des Zweiten Vatikanischen Konzils sind institutionalisiert und haben von ihrer Vitalität verloren. Die Ersten dieses Aufbruches werden langsam zu den Letzten. Doch nehmen wir die Worte Jesu ernst, so ist genau hier eine Chance zu sehen. Denn die Letzten werden ja die Ersten sein.

Anstatt zurückzublicken und das Verlorengehende zu betrauern, sollte nach vorne geschaut werden. In der Zukunft liegt der neue Aufbruch, nicht in der Vergangenheit. In die Zukunft will das Wort Gottes unter die Menschen getragen werden, nicht in die Vergangenheit.

Wenn die Letzten nun einmal innehalten und den Blick nach vorne richten, dann wird es auch wieder Aufbrüche geben. Dazu sollten sie aber nicht in einen wilden Aktionismus verfallen. Denn dieser birgt stets die Gefahr, dass man auf die Gegenwart mit Ideen aus der Vergangenheit reagiert. Vielmehr heisst es erst einmal: hinhören und hinschauen. Auch heute tragen die Menschen Sehnsüchte in sich. Diese Sehnsüchte gilt es zu entdecken. Aufmerksam, ganz den Menschen in den Bick nehmend. In einem zweiten Schritt gilt es wieder neu mit den Menschen zu gehen. Bewusst gilt es dabei aber nicht den Weg vorzugeben, sondern gemeinsam einen neuen zu suchen. Hieraus erwächst ein neues Miteinander. Und genau hier kann die Botschaft Gottes dann neu menschlich spürbar werden. Neue Aufbrüche innerhalb der Kirche werden so möglich.

Jede und jeder Gläubige ist heute gefragt: Will ich der Letzte oder der Erste sein? Will ich nur zurückschauen oder in die Zukunft? Wenn jemand zu den Ersten gehören will, dann heisst es: Raus aus dem alten Trott. Nicht mehr Kirche wie sie einmal war denken, sondern Kirche wie sie sein könnte, aufbrechen, raus in die Welt. Zu den Menschen. Ganz in der Nachfolge Jesu.

Michael Jablonowski